Test: Ironcast (Switch)


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Der Nintendo eShop hält Woche für Woche neue Spiele für die Nintendo Switch parat, sodass sich das Line Up der neuen Konsole langsam aber stetig füllt. Teils handelt es sich dabei um Umsetzungen von Indie-Spielen, die bereits vorher für andere Plattformen erschienen sind. Wer diese bisher verpasst hat, kann also nun auf der Switch zugreifen. Inwiefern sich das beispielsweise beim Titel Ironcast lohnt, verrät euch unser ausführlicher Test zum Spiel.

Als Ende 2007 das Puzzle-RPG Puzzle Quest für den Nintendo DS und später die Wii umgesetzt wurde, war es um mich geschehen: Ein Match 3-Puzzle kombiniert mit einem Rollenspiel, in dem ihr mächtige Zauber nach dem geschickten Kombinieren von gleichfarbigen Steinen auslöst, euren Charakter damit levelt und garstige Monster bekämpft - ein Zeitfresser par Excellence. Nach mehreren hundert Stunden auf verschiedenen Plattformen konnten mich die offiziellen Nachfolger nie mehr so fesseln wie das einst so simple, aber geniale Grundkonzept. Und in eine ähnliche Kerbe schlägt nun nach viel zu langer Durststrecke in diesem Bereich Ironcast des kleinen britischen Indie-Studios Dreadbit, welches 2015 für den PC veröffentlicht und später auf PS4 und Xbox One umgesetzt wurde. Nur gute zwei Monate nach der Ankündigung der Switch-Version des Titels ist diese nun im eShop zu bekommen. Für 14,99 € dürft ihr euch selbst unter die Hobby-Strategen wagen.

Worum geht es aber eigentlich in Ironcast? Das ist schnell erzählt. In einem fiktiven Zeitstrahl hat sich im viktorianischen 19. Jahrhundert ein Konflikt zwischen England und Frankreich um den neu entdeckten Rohstoff Voltit entwickelt, mit dessen Hilfe die überdimensional großen Kampf-Mechs, sogenannte Ironcasts, gebaut werden können. Um eine französische Invasion zu verhindern, schlüpft ihr also in die Haut eines Kommandanten und setzt euch in das virtuelle Cockpit einer dieser Kampfmaschinen. Anstatt brachialer Mech-Action erwartet euch nun aber rundenbasierte Strategie mit Puzzle-Elementen. Die Geschichte wird dabei in Textboxen im Laufe der einzelnen Missionen weiter erzählt und wartet mit einer durchaus überraschenden Wendung auf, ist aber eher schmückendes Beiwerk.

Graham verkauft auch gute Karten...

Viel mehr Augenmerk solltet ihr dagegen auf das eigentliche Gameplay richten. Anfangs habt ihr noch keine Wahl, für welchen Kommandanten und welchen Ironcast ihr euch entscheidet. Später jedoch könnt ihr verschiedene Piloten und Mechs mit jeweils ganz unterschiedlichen Eigenschaften freischalten, die einen Einfluss auf eure Taktik im Spiel haben werden. Habt ihr euch dann für eine von drei Missionen entschieden, startet ihr in den ersten Kampf. Zu Spielbeginn wird euch dabei das Prinzip des Titels in einem Tutorial erklärt. Die kleinen Feinheiten lernt ihr aber erst im Laufe des Spiels selbst. Ihr findet euch auf einem 6 x 6 Felder großen Spielbrett wieder, welches verschiedenfarbige Symbole, die sogenannten Knoten, beherbergt. Ziel ist es nun, möglichst effektiv gleichfarbige Knoten miteinander zu verbinden, damit diese sich auflösen und euch entsprechend viele Symbole in der jeweiligen Leiste über dem Spielfeld bescheren. Dies bestimmt eure möglichen Aktionen im Spiel. Die Grundwerte sind dabei Munition, Energie, Kühlung und Reparatur. Wofür Munition benötigt wird, kann man sich aufgrund der Duelle mit anderen Ironcasts sicher denken. Energie kommt immer dann zum Einsatz, wenn Schilde hoch gefahren werden oder der Antrieb euren Ironcast in Bewegung setzt. Kühlmittel wird in großem Maße benötigt, denn jegliche Aktivität heizt euer Gefährt auf und würde für Schaden am Ironcast sorgen, wenn es zur Neige geht. Und wer Treffer einstecken musste und Beschädigungen an seinem Kampfroboter sieht, darf diese natürlich reparieren.

Ganz so simpel ist Ironcast aber nicht aufgebaut, wie es bis hierher vielleicht noch klingen mag. Denn viele weitere Punkte erhöhen den Taktikfaktor enorm. Es fängt damit an, dass ihr pro Runde nur zwei Kombinationen auf dem Spielfeld machen dürft, bevor euer Gegner an der Reihe ist. Sammelt ihr also lieber Munition ein, damit ihr aus allen Rohren feuern könnt? Oder aktiviert ihr eure Schilde, um bei einem Treffer weniger Schaden zu riskieren? Ein laufender Ironcast wird aber seltener getroffen, mit einem aktiven Antrieb könntet ihr also mit etwas Glück einem Angriff komplett ausweichen. Wäre das vielleicht eine Option? Da sind aber ja noch eure Kühlmittelvorräte, die sich langsam dem Ende neigen. Und nein, eure Verteidigung wurde auch bereits getroffen und müsste dringend repariert werden! Ihr seht also, die Rohstoffe sind natürlich wie immer knapp. Dummerweise könnt ihr natürlich auch nicht beeinflussen, welche Steine auf dem Brett nachfallen, so dass immer eine Portion Glück zum Spiel dazu gehört. Da kommt es sehr gelegen, dass es natürlich ein paar Hilfsmittel gibt. Bindungsknoten erlauben es euch, eine Reihe von zwei verschieden farbigen Knoten zu verknüpfen, so dass ihr längere Combos machen und gleichzeitig unterschiedliche Rohstoffe sammeln könnt. Andere Abzeichen oder missionsabhängige Rohstoffkisten können zudem als Joker verwendet werden, um die Combos zu verlängern. Und wer vorausschauend puzzlet und mit einkalkuliert, welche Steine wohin nachfallen werden, wird bald spielend leicht lange Ketten vom Spielbrett lösen und damit seine Rohstoffe auffüllen können.

Combokette

Damit ist es in Ironcast aber noch nicht getan. Denn jedes der Technikwunder verfügt über vier Systeme, die jeweils einen eigenen Schadenswert nehmen. Dazu gehören zwei unterschiedliche Waffen, die Schilde sowie euer Antrieb. Im Umkehrschluss gilt das genauso für euren Gegner und so dürft ihr euch beim Angriff entscheiden, welches dieser Ziele ihr unter Beschuss nehmen wollt. Sinken die Trefferpunkte des jeweiligen Systems auf Null, ist es defekt und kann nicht mehr verwendet werden, bis man es wieder repariert. Schaltet ihr also die Waffen eures Gegners aus, muss dieser erst einmal Reparaturkosten investieren, bevor er euch wieder attackieren kann. Zerstörte Schilde lassen den feindlichen Ironcast vollen Schaden beim Beschuss nehmen, während ein defekter Antrieb die Ausweichfähigkeit herunter setzt, so dass jeder Schuss zum Volltreffer wird. Schilde und Antrieb dürfen übrigens bis zu dreimal pro Runde aktiviert werden und verstärken dadurch ihren Effekt, was defensive Spieler freuen dürfte. Offensive Zocker dagegen haben sich längst mit den verschiedenen Waffensystemen auseinander gesetzt. Die mächtige Energiewaffe pumpt einen kräftigen Schuss mit hohem Schaden in Richtung eures Gegners, der selbst durch Schilde hindurch noch Schaden anrichtet. Geht dieser Schuss aber daneben, lacht sich euer Gegner ins Fäustchen. Hat er aber keine Schilde aktiviert, greift ihr lieber zum leichten Geschütz, welches mehrere Schüsse abfeuert. Die verursachen zwar nicht so viel Schaden, aber wenn hier mal ein Treffer daneben geht, ist das zu verkraften.

Euch ist das noch nicht genug? Kein Problem, denn nach jeder Mission werden die gewonnenen Erfahrungspunkte und der gesammelte Schrott von besiegten Gegnern aufgerechnet. Ihr steigt im Level auf, verstärkt damit euren Ironcast und bekommt per Zufall weitere Verstärkungen in Form von aktiven und passiven Fähigkeiten, von denen ihr euch immer für eine von dreien entscheiden dürft. Diese werden dann entweder als allgemeine Verstärkung angesehen, gelten für euren Ironcast, die Waffen, die Schilde oder den Antrieb. Passive Fähigkeiten erhöhen beispielsweise die Treffgenauigkeit eurer Waffen, vermindern den erhaltenen Rumpfschaden eures Ironcasts oder gewähren euch zum Beispiel 1 Energie, wenn euer Ironcast am Ende des Zuges noch in Bewegung ist. Aktive Fähigkeiten können jederzeit während eures Zuges zusätzlich aktiviert werden und haben mehrere Runden Abklingzeit, bevor sie wieder zum Einsatz kommen können. Hier stehlt ihr dem Gegner Munition, manipuliert das Spielfeld durch das automatische Aufsammeln bestimmter Knoten, verstärkt euren nächsten Angriff oder senkt die Effizienz der gegnerischen Reparatur. Über 50 verschiedene Effekte sind im Spiel zu finden, sodass ihr hier viele Möglichkeiten habt eure Taktik eurem Spielverhalten nach anzupassen.

Kfz-O-Holic

Da die Rohstoffe immer knapp sind, muss zu allem Überfluss nach jedem Gefecht der erhaltene Schaden am Rumpf eures Ironcasts gegen den Einsatz von wertvollem Schrott in der Werkstatt wieder ausgebügelt werden. Dabei wolltet ihr doch eigentlich eine neue Waffe kaufen, deren Pläne ihr von eurem Gegner soeben erbeutet hattet. Auch hier gilt es abzuwägen, für welche Spielweise ihr euch entscheidet. Sinken nämlich die Trefferpunkte eures Ironcasts einmal auf den Nullpunkt, ist das Gefährt zerstört und das Spiel für euch gnadenlos vorbei. Hier machen sich die Rogue-Elemente des Spiels bemerkbar, denn in den ersten Stunden werdet ihr einige Male euren Ironcast als Schrotthaufen vorfinden. Doch kein neuer Anlauf ist je vergebens, werden doch stets die erlangte Erfahrung addiert und in Abzeichen umgewandelt. Diese dürft ihr gegen Verstärkungen und Upgrades eintauschen, die euch auf Dauer erhalten bleiben und jeden weiteren Durchgang somit etwas einfacher gestalten. Mit den Abzeichen schaltet ihr auch neue Commander mit anderen Eigenschaften oder weitere Ironcast-Modelle mit anderen Fähigkeiten frei. Neben dieser Abwechslung haben sich auch beim Missionsdesign die Entwickler etwas einfallen lassen. Denn auch wenn das Spielprinzip auf dem Puzzle-Brett natürlich gleich bleibt, so sind die Anforderungen an den Sieg durchaus abwechslungsreich. So müsst ihr nicht nur eure Gegner dem Erdboden gleich machen, sondern die Flucht von Verrätern verhindern, eine bestimmte Anzahl an Runden überleben, immer in Bewegung bleiben, den Kühlmittelvorrat über einem vorgegebenen Wert halten, eure Gegner ausschalten ohne dabei den Schild oder den Antrieb zu zerstören.

Je nachdem wie gut ihr spielt und wie effektiv eure Taktik ist, werdet ihr nach fünf bis zehn Durchläufen das erste Mal den letzten Boss besiegt haben. Durch die verschiedenen Commander und Ironcasts habt ihr aber eine gewisse Motivation, um mit anderem Setting noch mehrere Male von vorne zu starten. Und selbst dann kommt es vor, dass ihr euch mal überschätzt und bereits in der zweiten Mission scheitert. Da euch selbst aber die schnellste Niederlage ein kleines Stück nach vorne bringt, ist das alles zu verkraften und trägt zum Reiz bei, den Ironcast ausstrahlt. Genau dieser Reiz ist jedoch auch der größte Schwachpunkt von Ironcast. Denn wo Puzzle Quest eine längere Geschichte verfolgte und euch bei der Stange hielt, ist bei Ironcast relativ schnell das Ende der Missionen erreicht. Durch die Rogue-Elemente wiederholt ihr die Missionen wieder und wieder, so dass ihr die Geschichte bereits beim zweiten Durchlauf außer Acht lasst und nur noch am Puzzlen und Taktieren seid. Wer sich dadurch nicht motivieren lässt und die weiteren Kommandanten und Mechs freischalten will, hat bereits nach wenigen Stunden alles im Spiel gesehen. 

Aus technischer Sicht überzeugt Ironcast vor allem mit seinem Stil. Die Steampunk-Atmosphäre hebt den Taktik-Puzzler von der Genre-Konkurrenz positiv ab. Die ansprechend gestalteten Artworks der Charaktere und die netten Waffeneffekte können gefallen, wenngleich wir kein technisches Meisterwerk zu erwarten haben.

Depeschenmodus

Dennoch wirkt alles wie aus einem Guss und wird von einem stimmungsvollen Soundtrack abgerundet. Mal orientiert man sich hier an klassischen Motiven, mal sind die Klänge leicht sphärisch angehaucht, stets aber irgendwie fulminant und bombastisch, was die Kampfatmosphäre während des Puzzlens unterstreicht. Bei den satten Soundeffekten stechen vor allem die wuchtigen Explosionen hervor.
Die für Steam erschienenen Zusatzpacks mit zwei neuen Commandern und Ironcasts ist in der Switch-Version übrigens bereits mit enthalten. Zudem haben die Entwickler das Balancing noch optimiert und die Schrift etwas angepasst, so dass sie auch auf dem Screen der Switch halbwegs lesbar ist. Die Steuerung per Controller geht leicht von der Hand, wobei alternativ auch komplett über den Touchscreen gespielt werden darf. 

Fazit

Fans von Puzzle Quest dürfen frohlocken, denn Ironcast macht fast genauso süchtig wie der damalige Begründer des Puzzle-Taktik-Genres. Die Rogue-Elemente bringen eine frische Komponente ins Spiel, das dank vieler Systeme und Verstärkungen eine deutlich taktischere Note ins Gameplay bringt. Da der Zufall dennoch eine gewisse Rolle spielt, ist kein Durchlauf gleich. Wer sich davon motivieren lässt, der wird viele Stunden seinen Spaß mit Ironcast haben. Schnell mal eine Runde zwischendurch... na gut, noch eine Mission... bis zum nächsten Boss... und dann sind aber trotzdem wieder etliche Stunden daraus geworden - wer sich in dieser Aussage wiederfindet, sollte Ironcast eine Chance geben.

Bewertung

8.5
Gesamt
-
Mehrspieler

Sehr gut


Kurzfazit

„Strategie-Puzzle mit Rogue-Elementen im Steampunk-Stil.“

Markus Schnittka

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