Test: IMPLOSION - Never Lose Hope (Switch)


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Smartphone-Portierungen auf der Nintendo Switch werden von vielen Spielern eher belächelt. Was aber, wenn der Titel damit wirbt, "eine AAA-Konsolenspielerfahrung auf mobilen Geräten" zu bieten? Dann haben wir es mit Implosion - Never Lose Hope von Rayark Inc. zu tun. Wir haben das Spiel einem ausführlichen Test unterzogen und verraten euch, wie viel Spaß das Spiel auf der Nintendo Switch macht.

Nachdem die Anzahl der pro Woche im Nintendo eShop veröffentlichten Spiele für die Nintendo Switch bisher überschaubar war, nimmt der Nachschub an Software langsam zu. Dabei sollte man immer im Blick haben, ob man für sein hart verdientes Geld einen entsprechenden Gegenwert bekommt. Eine Smartphone-Portierung mag dabei auf den ersten Blick nicht sonderlich attraktiv klingen. Implosion - Never Lose Hope zeichnete sich allerdings bereits auf iOS und Android durch seinen vergleichsweise hohen Preis und die tatsächlich an große Konsolenprojekte angelehnte Präsentation aus. Doch was verbirgt sich genau hinter diesem Titel des taiwanesischen Entwicklers Rayark Inc.?

Wir finden uns in einer Zukunft wieder, in der die Menschheit von der Erde flüchten musste. Eine Invasion außerirdischer Wesen hat dazu geführt, dass unser blauer Planet verwüstet ist, Zombies und andere Gestalten ihr Unwesen treiben und es kein menschliches Leben mehr gibt. Jake kann daran jedoch nicht so ganz glauben und kehrt trotz eindeutiger Warnungen mit einer Crew zurück zur Erde, um doch noch nach Überlebenden zu suchen. Die modernde Technik erlaubt es ihm, dass er nicht selbst auf den gefährlichen Planeten muss, sondern seinen geistig mit ihm verbundenen Kampfroboter, einen Avalon, schickt. Was frappierend an Avatar erinnert, funktioniert auch in der Praxis so. Wird euer Roboter zu oft getroffen, verliert er die Verbindung zu Jack und euer Ausflug ist beendet. Sofern ihr keine der fünf Wiederbelebungen nutzt, ist das Spiel für euch vorbei.

Damit es nicht soweit kommt, könnt ihr euch natürlich gegen die Bedrohungen wehren, die auf der Erde auf euch warten. Mit leichten und schweren Angriffen lasst ihr euer futuritisches Schwert schnell in den unterschiedlichsten Combos über den Bildschirm schlitzen, wobei je nach Länge der Combo andere Finishing Moves eure Attacke beenden. Damit könnt ihr entweder mehrfach durch eure Widersacher schnetzeln oder sie mit einem besonders starken Hieb auf den Boden werfen. Mit geschickten Rollen könnt ihr bis zu dreimal am Stück schnell hintereinander ausweichen, bevor eine kurze Abklingzeit fixe Reaktionen erschwert. Mit dem rechten Stick dürft ihr zudem eure Knarre zücken und das sich mit der Zeit regenerierende Magazin leer ballern. Setzt den Fernkampf also gezielt ein, damit ihr nicht plötzlich ohne Munition da steht. Immer wieder findet ihr in den Levels dabei stärkere Waffen, deren Schusszahl ebenfalls begrenzt ist und die ihr nicht in den nächsten Level mitnehmen könnt.

16 Schläge auf die blanke Mutaform

In erster Linie werdet ihr euch daher auf eure Fähigkeiten im Nahkampf verlassen. Während ihr euch in isometrischer Perspektive vor allem in den ersten Levels noch ziemlich easy durch die Horden an Zombies und anderen Gegner schnetzelt, verlangen eure Gegner später durchaus mehr taktisches Vorgehen. Oft kommt ihr zwar noch mit Button Mashing weiter, doch eure Feinde tauchen mitunter im Schnee der Eiswelten unter und hinter euch wider auf, zielen mit Raketen auf euch, springen mit donnernden Fäusten auf den Boden oder setzen euch mit einer Wirbelattacke aus der Nähe kurzzeitig außer Gefecht. Vor allem die Obermotze am Ende einer jeden Welt verlangen ein geschickteres Vorgehen, da ihr sonst schnell das Zeitliche segnet. Die Steuerung ist dabei einfach gehalten und geht leicht von der Hand. Dass das Spiel ursprünglich rein aufs Smartphone ausgelegt war, merkt man dem sowohl im Handheld- als auch im TV-Modus per Pro Controller sauber spielbaren Titel nicht an.

Doch Implosion ist kein reines Hack'n'Slay, sondern bietet durchaus Parallelen zu Rollenspielen wie Diablo. Ihr sammelt für das Besiegen von Gegnern Erfahrungspunkte, mit denen ihr euren Kampfanzug aufbessern könnt. Das sogenannte ARK-System bietet euch sechs verschiedene Erweiterungen, mit denen ihr z.B. eure Kraft, die Ausdauer, die Rüstung und viele weitere Punkte verbessern könnt. In einem weiteren Slot werden eure Sonderfertigkeiten festgelegt, die ihr bei voller Wut-Leiste auslösen könnt. Hier gibt es Schilde, schnelle Wirbelangriffe und noch mehr zu entdecken. Weitere Erweiterungen findet ihr in den Levels verstreut oder können gegen Credits im Shop des Spiels gekauft werden. Ist das ARK-System anfangs ein wenig unübersichtlich, findet man sich relativ fix damit zurecht. Da teils die Erweiterungen ein bestimmtes Level voraussetzen und auch die Gegner mitunter fordernd sein können, dürft ihr bereits absolvierte Level beliebig oft wiederholen und Erfahrungspunkte sammeln. Das ist mitunter auch notwendig, wenn ihr die optionalen Ziele pro Level schaffen wollt, in denen es Abzeichen zu verdienen gibt. Mal müsst ihr das Level in einer bestimmten Zeit schaffen, mal alle Behälter in einem Abschnitt zerstören, mal keinerlei Treffer kassieren oder einen versteckten Raum finden. Diese sind meist per Hacking-Fähigkeit zugängig, die ihr aber mitunter aktuell nicht ausgerüstet bei euch tragt. Da die Level in der Regel nur ein paar Minuten dauern, schadet hier ein zusätzlicher Durchgang nicht wirklich. Da die Abzeichen unter anderem einen neuen Mech freischalten, lohnt sich das Sammeln allemal.

Die vier Welten von Implosion bescheren euch dabei über 30 Stages, in denen die Abwechslung trotz des vom Grundprinzip her eher einfachen Spielprinzips nicht zu kurz kommt. Meist müsst ihr zwar alle Feinde besiegen und zum Endpunkt gelangen, mitunter will aber auch ein bestimmtes Areal vor Feinden verteidigt werden. Selten wechselt auch mal die Perspektive, was ebenfalls Abwechslung in die Sache bringt. Dass die Geschichte dabei eher Mittel zum Zweck ist und ob ihr doch noch menschliches Leben auf der Erde findet, dürft ihr selbst herausfinden. Neben dem normalen Modus bekommt ihr übrigens noch einen Hard Mode sowie eine alternative Kampagne präsentiert, bei dem ein weiterer Mech mit anderen Eigenschaften gespielt wird. Gerade durch den mobilen Faktor der Nintendo Switch holt man Implosion auch zwischendurch immer wieder mal heraus, selbst wenn man nur zwei oder drei Levels spielt und ein paar Monster grindet.

Standbildparadebeispiel

Nachdem das Game auf Smartphones als Konsolenspielerfahrung gepriesen wurde, sei natürlich ein besonders kritischer Blick auf den technischen Aspekt von Implosion geworfen. In der Tat wirkt der Titel grafisch recht sauber und auf den ersten Blick recht gelungen. Die meist in gezeichneten Standbildern erzählte Story hat Stil, während der Gefechte melden sich immer wieder eure Kollegen per Funkspruch und eingeblendetem Profil seitlich am Bildschirm zu Wort. Währenddessen ist auf dem Bildschirm Action angesagt, die sauber und flüssig vonstatten geht. Die Animationen der Charaktere sind recht ansehnlich, das Charakterdesign meist zwar etwas schlicht, aber in Ordnung. Auf Dauer wirken die Feinde allerdings etwas generisch, hier hätte man mit abwechslungsreicheren Texturen sicher noch mehr Effekte erzielen können. Die zerstörbaren Objekte in eurem Umfeld halten sich ebenfalls in Grenzen. Zudem wundert ihr euch immer wieder über unsichtbare Barrieren in den Arealen, an denen ihr nicht weiter kommt. Die gute englische Sprachausgabe weiß dagegen genauso zu gefallen wie der atmosphärische und treibende Soundtrack. Untertitel gibt es in mehreren Sprachen, unter anderem Deutsch. Die Soundeffekte sind stimmungsvoll, hier hätte jedoch mehr Abwechslung nicht geschadet. Manches Mal hätte ich mir die Kamera einen Tick weiter weg von eurem Hauptcharakter gewünscht, damit das Blickfeld einfach etwas größer ist. Dafür wird HD-Rumble ebenfalls unterstützt. Verglichen mit tatsächlichen AAA-Produktionen zieht Implosion also klar den Kürzeren, ein ansehnlicher Titel mit guter Technik ist es trotzdem geworden.

Fazit

Mit Implosion - Never Lose Hope bekommen wir mit Sicherheit eines der aufwändigsten Smartphone-Spiele in einer technisch sauberen Umsetzung für die Nintendo Switch präsentiert. Der Umfang stimmt, die Pad-Steuerung geht flüssig von der Hand und vor allem der atmosphärische Soundtrack kann gefallen. Wer sich für eine Mischung aus Hack'n'Slay mit Rollenspielelementen begeistern kann, vom futuristischen Setting angetan ist und keine tiefgreifende Geschichte erwartet, darf durchaus einen Blick riskieren.

Bewertung

8.0
Gesamt
-
Mehrspieler

Sehr gut


Kurzfazit

„Futuristisches Hack'n'Slay mit RPG-Elementen und eingängiger Steuerung“

Markus Schnittka

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