Mit SiNG Party möchte Nintendo endlich auf der eigenen Konsole das etablieren, was Sony und Microsoft selbst bereits geschafft haben: Eine eigene Karaoke-Spielserie. Wir haben uns für euch das Mikrofon geschnappt, um die Wette gesungen und verraten in unserem Test zu SiNG Party, ob das Unterfangen gelungen ist.
Auf der Nintendo Wii überließ Nintendo anderen Entwicklern im Bereich der Karaokespiele komplett das Feld. We Sing, U Sing, Let's Sing, The Voice of Germany, X Factor und Karakoe Revolution - die Liste ließe sich sogar noch fortsetzen. Auf der Wii U sieht es nun anders aus und Nintendo möchte offenbar selbst ein Stück vom Kuchen abbekommen. Aus diesem Grund wurde bereits im letzten Jahr auf der E3 das Karokespiel SiNG Party angekündigt. Zwar erschien SiNG Party nicht direkt zum Launch der Wii U, ist aber trotzdem das erste Spiel seiner Art auf Nintendos neuer Heimkonsole. Setzt Nintendo also neue Maßstäbe, an denen sich spätere Veröffentlichungen orientieren müssen?

Die Grundvoraussetzungen sind gegeben, denn wo die Mitbewerber in der Regel lediglich 30 bis 40 Titel auf eine Disc packen, hat Nintendo die Disc von SiNG Party mit fast 50 Titeln bestückt. Die Musikauswahl bietet dabei einen soliden Querschnitt durch alle möglichen Dekaden, so dass sich nebst aktuellen Stücken wie Call me maybe von Carly Rae Japsen auch Klassiker wie YMCA von den Village People in der Songliste finden lassen. Eine Beschränkung auf einzelne Genres gibt es ebenfalls nicht, warum Rocksongs wie Nickelbacks How you remind me neben Lenas Grandprix-Erfolg Satellite, Daydream Believer von den Monkeys und Only Girl (in the Word) von Rihanna stehen. Dies ist ein zweischneidiges Schwert, denn auf der einen Seite findet so jeder Spieler sicherlich den einen oder anderen Song, den er ohne Probleme trällern kann. Auf der anderen Seite sagt sicherlich jedem nicht jeder Track aus den anderen Genres zu. Im Endeffekt ist die Songauswahl wie immer Geschmackssache. Als bunter Querschnitt durch verschiedene Stile und Epochen bietet sie aber viel Umfang.
Gespielt wird mit einem USB-Mikrofon, welches das Nintendo-Logo trägt und sauber verarbeitet ist. Ihr steckt es in einem freien USB-Port an der Konsole und könnt sofort loslegen. Warum man hier nicht wie bei der Konkurrenz von Sony oder Microsoft auf kabellose Mikros zurückgegriffen hat, ist unverständlich. Immerhin ist das Kabel des USB-Mikrofons lang genug. Zu Beginn des Spiels habt ihr den Wahl, in welchem Spielmodus ihr eure Gesangskünste unter Beweis stellen wollt. Alleine könnt ihr entweder üben und euch besonders schwierige Stellen in den Songs aneignen. Ihr dürft euch aussuchen, ob ihr die gewählten Songs in der vollen Länger oder in einer gekürzten Version singen wollt. Während des Stücks seht ihr den Songtext eingeblendet und werdet natürlich danach bewertet, wie gut ihr die Tonhöhe trefft. Der Text selbst ist leider egal, da selbst das bloße Summen der Melodie erkannt wird. Eine tolle Sache ist, dass ihr während des Songs bei den meisten Stücken über das GamePad die Lautstärke von Gesang und Instrumentierung verändern und somit richtige Karaoke ohne Leadsänger vor euch habt. Warum das nicht bei allen Stücken geht bleibt ein Geheimnis der Entwickler. Ebenfalls praktisch auf dem GamePad untergebracht ist die Auswahl des nächsten Stückes, noch während der aktuelle Song läuft.

Innovativ ist ebenfalls, dass es noch Sonderpunkte für den Ausdruck beim Gesang gibt. Zudem müsst ihr auch laut genug singen und nicht nur leise ins Mikro brummeln. Die Gesangserkennung funktioniert an sich sehr gut. Nur bei einigen Titeln kommt es einem so vor, als wäre die angezeigte Gesangsspur leicht versetzt. Ein Beispiel dafür ist Nickelbacks How you remind me. Singt ihr passend zum Song, seid ihr immer einen Tick zu spät dran. Singt ihr passend zur eingeblendeten Gesangsspur, kassiert ihr zwar mehr Punkte, es klingt aber einfach furchtbar und falsch. Hier hätte man deutlich sorgfältiger seitens der Entwickler von FreeStyle Games arbeiten müssen, um solche Fehler zu vermeiden. Gerade Punktejäger im Einzelspielermodus werden sich darüber sicherlich ärgern. Immerhin bleiben noch einige Awards freizuspielen, die euch jeweils angezeigt werden.
Karaokespiele sind allerdings in erster Linie da, um zusammen mit Freunden gespielt zu werden. Aus diesem Grund ist SiNG Party auch dann am besten, wenn man es zusammen mit anderen spielt. Ihr entscheidet euch mit dem Party- und dem Teammodus dafür, ob ihr gegeneinader oder zusammen singt und schon kann es losgehen. Nun wird alleine oder zusammen geträllert, abwechselnd oder zusammen in ein Mikro. Der Spieler mit dem GamePad in der Hand hat dabei die Möglichkeit, dass er den Songtext direkt vom GamePad abliest. Außerdem bekommt er dort hin und wieder Einblendungen zu sehen, mit denen er seine Mitspieler motivieren soll mitzumachen. Diese dürfen mit einer Wiimote bewaffnet den aktuellen Song zudem akustisch unterstützen, was aber in der Praxis weitaus weniger witzig ist, als es in der Theorie klingt - also gar nicht. Unverständlich ist die Tatsache, dass SiNG Party lediglich zwei Spieler aktiv unterstützt. Man sollte meinen, dass Nintendo Wert auf eine möglichst große Anzahl an Spielern bei einem derartigen Titel gelegt hat, vor allem weil auch die Konkurrenz mindestens vier Sänger antreten lässt. Dem ist jedoch nicht so. Weitere Spielmodi sowie einen Onlinemodus zum direkten Gesangsduell mit Spielern aus aller Welt sucht man dagegen vergeblich.

Grafisch braucht ein Karaokespiel kein Knaller sein und das wird wohl auch niemand erwarten. Dennoch wäre es schön gewesen, wenn ihr zu den bekannten Hits auch die Musikvideos bestaunen hättet können. Statt diesen gibt es aber nur bunte und knallige Farben, viele wirre Formen und nur selten mal eine abstrakte Choreographie. Hier wäre deutlich mehr drin gewesen. Wenn man schon nicht die Lizenzgebühren für die Videos bezahlen will, hätte man sich wenigstens ansprechende Tanzchoreographien im Stile von Just Dance ausdenken können. So wirkt SiNG Party aber auch optisch so, wie man es vom Gameplay und der Auswahl an Spielmodi bereits erlebt hat: Halbgar. Immerhin ist der Sound wirklich gelungen und die Stücke im Spiel dröhnen klar und satt aus den Boxen. Das versteht sich bei einem Musikspiel aber in der Tat von selbst.
Mit SiNG Party wagt Nintendo den ersten Versuch im Genre der Karaokespiele und schafft es trotz vieler guter Konkurrenzprodukte nicht, sich deren bester Ideen zu bedienen und sie mit eigenen Innovationen zu einem Hit werden zu lassen. Stattdessen warten wenige Spielmodi, nicht immer synchrone Gesangslinien und optisch knallbunte Langeweile auf euch, was alles etwas inkonsequent wirkt. Das GamePad wurde zwar dezent, aber meist sinnvoll eingesetzt. Natürlich kann SiNG Party nicht zuletzt dank einer großen Auswahl an Songs trotzdem für einen lustigen Abend sorgen. Sobald es aber Konkurrenz auf der Wii U bekommt, wird es den mangels Alternativen bisherigen Platz an der Spitze schnell räumen müssen.
Geht so
„Karaoke-Party mit viel Potenzial, guten Ansätzen, großer Songauswahl und ebenso vielen Schwächen, die nicht hätten sein müssen.“
Markus Schnittka
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| Datum: | 05.02.2013, 21:49 Uhr |
| Autor: | Markus Schnittka |
| Themen: | Wii U |