Test: Mario + Rabbids Kingdom Battle (Switch)


  • Test

Mit der Switch hat Nintendo offenbar den Plan, jeden Monat mindestens einen hochkarätigen Titel zu veröffentlichen, den es in der aktuellen Generation auf den anderen Konsolen nicht gibt. Neben den hauseigenen Titeln wie Mario Kart 8 Deluxe, Arms und Splatoon greift man dabei auch auf die Unterstützung von Drittherstellern zurück - im aktuellen Fall Ubisoft, die mit Mario + Rabbids Kingdom Battle ein Spiel der ganz besonderen Art auf den Markt bringen. Aber lest in unserem Test selbst, was das Spiel taugt.

Rechtzeitig zum Launch der letzten Nintendo-Konsolen präsentierte Ubisoft immer einen Exklusiv-Titel, der die Fähigkeiten der neuen Hardware gut in Szene setzen konnte. Die Wii bekam Red Stell, auf der Wii U durftet ihr in ZombiU ums Überleben kämpfen. Auf der Switch musste man auf diesen Exklusiv-Titel etwas warten, denn mit Just Dance stand nur die Portierung eines bekannten Titels zum Launch in den Regalen. Doch bereits kurz vor der Switch-Präsentation im Januar gab es Gerüchte um ein Crossover zwischen Mario und den Rabbids, die sich im Laufe der Zeit immer weiter verdichteten. Zur E3 ließ Ubisoft die Katze offiziell aus dem Sack und stellte mit Mario + Rabbids Kingdom Battle ein rundenbasiertes Strategiespiel im Pilzkönigreich vor.

Alles fängt damit an, dass ein Experiment im Keller eines fanatischen Fans schief läuft und damit die Rabbids ins Pilzkönigreich teleportiert. Doch damit nicht genug, denn irgendwie scheint das Gleichgewicht dort komplett durcheinander geraten zu sein und viele der Rabbids verhalten sich ungewöhnlich aggressiv. Steckt Bowser hinter dieser Untat? Oder versucht hier eine ganz andere Bedrohung das Pilzkönigreich ins Unglück zu stürzen? Natürlich ist es nun eure Aufgabe, dies zu erforschen und euch dabei der Bedrohung entgegenzustellen. Ihr startet mit Mario als Team-Kapitän, der von Rabbid-Luigi und einem Rabbid im Peach-Kostüm begleitet wird. Im Laufe eures Abenteuer trefft ihr auf weitere Bewohner des Pilzkönigreichs und verschiedene Rabbids in euch sehr gut bekannten Kostümen, so dass ihr bald schon die Qual der Wahl habt, wen ihr in eurem Team haben wollt. Während Mario nämlich fest gesetzt ist, könnt ihr eure anderen Teammitglieder nach euren Vorlieben wählen und so eure Spielweise entsprechend anpassen.

Multitalent an 8-saitiger Laute

Das ist auch durchaus sinnvoll, denn Mario + Rabbids Kingdom Battle ist ein reinrassiges Taktik-Rollenspiel, welches in seinen Grundzügen mit Serien wie X-Com oder auch Fire Emblem verglichen werden kann. Ihr steuert eure Charaktere in einem bestimmten Bewegungsradius über das Schlachtfeld und wählt aus einer Reihe an möglichen Aktionen. Der Clou an Mario + Rabbis Kingdom Battle ist, dass ihr nicht festgelegt seid, in welcher Reihenfolge ihr die Aktionen ausführen wollt und dass sich euer Aktionsradius durch das Umrennen von Gegnern (hier Raserei genannt), das Nutzen von Röhren und Teamsprüngen immens vergrößern lässt. So könnt ihr beispielsweise nicht nur einen Gegner umrennen, sondern danach durch eine Röhre zu einem Teamkollegen laufen, euch von diesem in die Luft schleudern und auf dem Kopf eines zweiten Feindes landen, was diesem ebenfalls Schaden zufügt. Dann wählt ihr zwischen eurer Haupt- und der Sekundärwaffe und habt die Option, zusätzlich noch eine Sonderfähigkeit zu aktivieren. Rabbid Peach beispielsweise aktiviert für sich selbst einen Schild oder heilt sich und Verbündete in einem bestimmten Radius, während Luigi den Bewegungsradius seines Teams erhöhen oder seinen Eisenblick aktiviert, mit dem er während des feindlichen Zugs Schüsse auf sich bewegende Gegner abfeuert.

Die Waffen eurer Charaktere haben zudem teils Sonderfunktionen, mit denen sie spezielle Effekte auslösen. Honig lässt eure Widersacher sofort für eine Runde am Boden kleben und macht sie bewegungsunfähig, Feuer setzt den Hosenboden in Brand und lässt die Gegner wild hopsend durch die Gegend laufen, während Tinte sich wie ein Schleier über ihren Kopf legt und sie an Attacken hindert. Mit der Zeit schaltet ihr nicht nur stärkere Waffen frei, sondern erhöht mit verbesserter Ausrüstung auch eure Chancen auf die Supereffekte. Achtet dabei stets auf die Reichweite und den maximalen Schaden eurer Wummen, damit ihr möglichst effektiv im Kampf seid. In den einzelnen Arealen lernt ihr schnell die Deckung sinnvoll zu nutzen, denn hinter großen Steinen und Kisten seid ihr vor feindlichen Angriffen geschützt. Kleine Hindernisse sichern euch zumindest eine 50%ige Chance einem Treffer zu entgehen, während ihr schutzlos ohne Deckung den 100%igen Schaden eines Angriffs kassiert. Gehen euch die Kraftpunkte aus, ist der jeweilige Charakter für die laufende Schlacht ausgeschieden. Schafft ihr eure Aufgabe trotzdem noch, wirkt sich das in einer etwas schlechteren Bewertung der Schlacht aus, da ihr die beste Wertung "perfekt" nur dann erhaltet, wenn ihr euer Team komplett in einer bestimmten Anzahl an Runden zum Sieg führt. Dabei müsst ihr nicht immer alle Gegner besiegen, sondern manchmal nur eine bestimmte Anzahl an Opponenten ausschalten, einen gewissen Zielpunkt erreichen oder einen anderen Charakter sicher bis ans Ziel eskortieren, was für Abwechslung sorgt.

Zwischen den einzelnen Schlachten lauft ihr durch eine erkundbare Welt, die sich auf vier verschiedene Abschnitte erstreckt und dessen Dreh- und Angelpunkt das Schloss im Pilzkönigreich ist. Wer dabei nur stur der Geschichte folgt, verpasst viele Details. Immer wieder finden sich Abzweigungen, in denen es ein paar Extras zu finden gibt. In Kisten verbergen sich Soundtracks und 3D-Modelle der Charaktere, zusätzliche Waffen, Münzen und teils Kristalle, mit denen ihr die Skills eurer Helden im Fertigkeitenbaum ausbauen könnt. An dieser Stelle kommt eine weitere Prise Taktik ins Spiel, da die Fertigkeiten gut gewählt sein wollen. Wollt ihr mit Mario lieber mehr Gesamtkraft haben? Oder spart ihr für einen geringeren Cooldown einer Sonderfähigkeit? Soll der Rasereischaden erhöht werden oder die Reichteite des Teamsprungs? Hier dürft ihr gerne etwas tüfteln und im Zweifelsfall bereits verteilte Punkte kostenfrei neu anordnen, wenn ihr nicht weiter kommt. Jedes Level darf auch Wunsch auch in einer leichten Variante probiert werden, sobald euch die Gegner irgendwann zu schwer werden sollten.

Typisch unförmige Talentbäume

Der Schwierigkeitsgrad ist dabei in den ersten Schlachten noch überschaubar, steigt aber bald schon konstant an. Ihr werdet gewisse Stages durchaus mehrfach probieren müssen, bis ihr den richtigen Kniff raus habt. Etwas unglücklich dabei ist, dass teils zwei Schlachten zu einer Stage zählen, die ihr im Zweifelsfall beim Scheitern des zweiten Abschnitts beide wiederholen müsst. Ihr lernt aber aus euren Niederlagen und habt somit kaum Momente, an denen ihr über längere Zeit an einer Stelle feststeckt. Da es auch beim erneuten Besuch der Welten die dort befindlichen Münzen immer wieder gibt, könnt ihr euch meist ohne Probleme stärkere Waffen leisten. Nachdem ihr eine Welt erfolgreich absolviert habt, dürft ihr bei einem erneuten Durchgang verschiedene Herausforderungen finden, die euch beim Bestehen weitere Kristalle zur Verbesserung eurer Fertigkeiten bescheren. Zudem schaltet ihr nach jedem besiegten Obermotz eine weitere Fähigkeit frei, die euch neue Abschnitte in den einzelnen Welten erkunden lässt. Bei den Zwischen- und Endbossen haben sich die Entwickler übrigens mächtig ins Zeug gelegt und präsentieren gelungene Kombinationen aus Rabbids mit Elementen des Pilzkönigreichs. Ohne zuviel zu verraten, dürft ihr euch vor allem in der dritten Welt auf einen der besten Endbosse der letzten Jahre freuen, der einfach herrlich in Szene gesetzt wurde. Grandios! Habt ihr übrigens nach gut 20 bis 25 Stunden die Geschichte selbst durch, warten mit den zusätzlichen Herausforderungen und den vielen versteckten Extras weitere Aufgaben auf euch. Mit einem zweiten Spieler an der Hand dürft ihr zudem diverse Coop-Herausforderungen lösen. In Sachen Umfang hat Mario + Rabbids Kingdom Battle also jede Menge zu bieten.

Neue Farbe, gleiche Vorlieben

Auch auf technischer Seite überzeugt die Kollaboration zwischen Nintendo und Ubisoft. Das fängt beim herrlich animierten Intro an, welches sich vor erfolgreichen Animationsfilmen im Kino nicht zu verstecken braucht. Das geht über die kunterbunten Welten mit den vielen liebevollen Details und skurrilen Absurditäten der Rabbids im Hintergrund, die so dezent in Szene gesetzt wurden, dass sie und das Pilzkönigreich wie aus einem Guss wirken, aber dem Game dennoch einen eigenen Stempel aufdrücken. Und es gipfelt in den tollen Animationen, die einem als Spieler immer wieder ein Grinsen ins Gesicht zaubern, wenn beispielsweise Rabbid Peach während des Zuges stolpert, sich aufrappelt und das Krönchen richtet, nur um sich danach elegant gegen die nächste Deckung zu lehnen. Tolle Lichteffekte und eine lebendige Welt runden den positiven Eindruck entsprechend ab. Nur selten kommt es mal zu Slowdowns, wenn beispielsweise bei einem Superschuss die Kamera mal näher ans Geschehen zoomt oder eine Kamerafahrt in der Welt eine Übersicht über das komplette Geschehen gibt. Das stört aber kaum, in der Regel bewegt sich das Spiel bei für dieses Genre absolut ausreichenden 30 fps. Der Soundtrack muss ebenfalls noch erwähnt werden, da er neben den witzigen Soundeffekten ein weiteres Highlight darstellt. Niemand geringeres als Grant Kirkhope hat die Melodien komponiert, die schnell ins Ohr gehen und an seine alten Klassiker wie Donkey Kong 64 oder Banjo-Kazooie erinnern. Was in der Schlacht episch klingt, wirkt verspielt in der Wüste oder schauderhaft in einer verlassenen Geisterstadt. Die Steuerung geht ebenfalls leicht und intuitiv von der Hand. Einziger Kritikpunkt hier ist, dass man eine ausgeführte Bewegung nicht mehr rückgängig machen kann, wodurch man in seltenen Fällen mal nicht in der gewünschten Röhre verschwindet, sondern daneben stehen bleibt. Das kommt in der Tat aber nur selten vor und ist eher der eigenen Hektik geschuldet. Ansonsten lässt sich das Game sauber und problemlos steuern, egal mit welchem Controller.

Fazit

Mit Mario + Rabbids Kingdom Battle ist Ubisoft in Kooperation mit Nintendo ein unerwarteter Hit gelungen. Die Liebe zum Detail steckt bei dem Spiel in jeder Pore und selbst wer sich nur bedingt von rundenbasierter Strategie begeistern lässt, sollte hier einen Blick riskieren. Der krude Humor, die kunterbunte Optik, der grandiose Soundtrack, die abwechslungsreichen Welten, die vielen versteckten Extras, die speziellen Herausforderungen - Mario + Rabbids Kingdom Battle macht so vieles richtig, dass man sich gerne von dem Spiel in seinen Bann ziehen lässt und ihm seine kleinen Fehlerchen gerne verzeiht. Denn in erster Linie macht der Titel Spaß - und davon jede Menge.

Bewertung

8.5
Gesamt
8.0
Mehrspieler

Sehr gut


Kurzfazit

„Kurzfazit: Die Rabbids sorgen im Pilzkönigreich mit viel Liebe zum Detail für grandios vertonte Runden-Strategie“

Markus Schnittka

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