Test: Little Inferno (Switch)


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Habt ihr euch schon einmal gefragt wie es wäre, bei gemütlichen Winter-Abenden am Ofen zu sitzen und die Wärme zu genießen, während ihr dem Knistern des Feuers lauscht und ab und an nachschürt? Gut, zum Erscheinungsdatum von Little Inferno für Nintendo Switch ist der Frühling gerade in vollem Gange und zugegebenermaßen muss es nicht gleich der Ofen sein, ein Heizstrahler erzeugt auch genügend Wärme. Doch das Gefühl, das euch Little Inferno zu vermitteln versucht, steckt genau im ersten Satz dieses Berichts.

Little Inferno ist kein neues Spiel sondern lediglich eine Portierung für Nintendo Switch, das den Launch der Switch nur knapp um 20 Tage verpasst hat. Erstmals im eShop der Wii U am 30.11.2012 erschienen, könnt ihr unseren damaligen Test noch einmal hier nachlesen. Weiter erschien das Spiel danach für Android, Apple iOS und PC. Das Spiel ist von nur drei Männern erschaffen worden, zusammen veröffentlichen sie ihre Spiele unter dem Firmennamen Tomorrow Corporation. Auch die anderen Spiele der Tomorrow Corporation, das mehrfach ausgezeichnete Spiel World of Goo, Human Ressource Machine und Henry Hatsworth in the Puzzling Adventure, wissen zu überzeugen. Sucht gerne unsere Testberichte zu den beiden erstgenannten Spielen hier auf ninsider.de - ebenfalls erhältlich für Switch. Bei Little Inferno geht es im Wesentlichen darum, Gegenstände zu kombinieren. Kauft sie in Katalogen, legt sie in die Feuerstelle und verbrennt sie zusammen. Beim Verbrennungsvorgang erfahrt ihr, ob eure Kombination aus immer zwei oder drei erforderlichen Objekten passt. Die insgeamt 99 Kombinationen, die ihr finden sollt, werden in einer Übersicht aufgelistet, jederzeit erreichbar über eine Schaltfläche am oberen Bildschirmrand.

Little Inferno Hauptbildschirm

Interaktion durch Kombination

Nach Auswahl von einem aus drei Speicherplätzen geht es direkt zu Beginn zur titelgebenden Feuerstelle, eurem Little Inferno und Hauptbildschirm. Dort verbrennt ihr gleich die ersten Briefe und einen Zettel mit den AGB's, was euch sofort zeigt, dass sich das Spiel nicht allzu ernst nimmt. Ihr zieht also allerlei Gegenstände per Zeigefunktion eures Joy-Cons in die Feuerstelle und entfacht eure kleinen Infernos. Ein Knopfdruck genügt, um an der Zeigerposition ein Feuer zu entfachen. Die Gegenstände sind auf einem Tisch davor in Reihe angeordnet. Mit dem Verbrennen verdient ihr Tomorrow Bucks - die Geldwährung im Spiel - womit ihr wiederum Gegenstände in Katalogen, dem zweiten Bildschirm neben der Feuerstelle kaufen könnt. Insgesamt gibt es 7 Kataloge mit je 20 Gegenständen, macht also nach und nach 140 Gegenstände, die beliebig kombiniert verbrannt werden können. Ihr startet natürlich beim ersten Katalog und schaltet im Lauf der Zeit mehr frei. Neue Kataloge erfordern neben dem Einsatz eures Geldes auch das Finden von zunehmend mehr Kombinationen und zumindest einmaliges Kaufen aller Objekte aus dem vorherigen Katalog.

Gelegentlich schreibt euch eine alte Dame Miss Nancy die ersten Briefe, die ihr nach dem Lesen sogleich wieder verbrennt. Bald schreiben häufiger noch eure Nachbarin Sugar Plumps und der Wettermann. Vor allem durch das Geschriebene in diesen Briefen schwingt im Spiel eine gehörige Portion Humor mit. Nett sind kleine Spielereien, wie das Versenden von Gegenständen mittels erhaltenem Brief. Dazu zieht ihr das vom Autor gewünschte Objekt beim Lesen einfach an die entsprechende Stelle im Brief. Sogar ein Video gibt es zu bestaunen, in dem die erdachten Vorzüge von Little Inferno witzig und in Form eines Werbevideos erklärt werden. Alle Objekte aus Katalogen sowie auch die Briefe werden direkt an den Tisch vor der Feuerstelle geliefert, was stets mit dem Faktor Zeit verbunden ist. Es dauert einige Sekunden oder gar Minuten, bis ihr das Objekt auf dem Tisch verwenden könnt. Deshalb gibt es neben den Tomorrow Bucks noch Briefmarken, die zum schnelleren Liefern verwendet werden, also eure Wartezeit verkürzen. Ihr erhaltet sie seltener als Geld, meistens ebenfalls durch das Verbrennen. Aus anfangs noch vier Plätzen auf dem Tisch werden mit Einsatz eures Geldes später bis zu Sieben.

Little Inferno Kataloge

Punkte, Zeitlimits oder Bewertungen gehören nicht zu Little Inferno, vorrangig geht es um einfaches und direkt zugängliches Gameplay und praktisch gesehen nur um's Feuer machen. Noch nicht gekaufte Objekte wackeln im Katalog etwas, damit ihr erkennt, was noch für den nächsten Katalog fehlt. Die Objekte verhalten sich zudem unterschiedlich beim Verbrennen. Der Wecker klingelt, Batterien und Bomben explodieren und bei einigen Objekten entdeckt ihr andere Verhaltensmuster, z.B. einen Eis- oder Anti-Schwerkraft-Effekt, Eier können kaputt gehen beim Platzieren oder Flammen verfärben sich. Die Physik spielt hier eine nicht zu verachtende Rolle. So lassen sich die Gegenstände in der Feuerstelle nach Belieben stapeln, Aschereste könnt ihr aufheben und herumwirbeln und selbst die Stelle, wo ihr mit dem Zeiger greift, verändert das Drehmoment. Zwischendurch kommt immer wieder eine Spinne den Kamin heruntergekrabbelt, gegen Verbrennen gibt's auch hier ein bisschen Geld. Das Einsammeln von Geld und Briefmarken in der Feuerstelle führt ihr wie das Verbrennen per Button-Klick durch. Alle Gegenstände geben dabei immer mehr Geld zurück als ihr eingesetzt habt, sodass ihr kaum Probleme habt, euch etwas nicht leisten zu können.

Die Steuerung ist sehr solide umgesetzt und funktioniert ausschließlich mittels Bedienung eines Zeigers auf dem Bildschirm per Joy-Con, egal in welcher Position ihr ihn in der Hand haltet - Bildschirmgebundenheit wie bei Wii-Fernbedienung ade, ihr benötigt jetzt keine Sensorleiste mehr. Dafür müsst ihr zeitweise die Zeigerposition per Knopfdruck zurücksetzen. Das ist schön und gut, allerdings ist die Art und Weise, wie kalibriert werden muss, ein K.O.-Kriterium für das Gelegenheitsspiel, wofür die Entwickler eigentlich einen Patch bereitstellen müssen. Unterwegs im Zug zum Beispiel ist selbst die Vibration im stehenden Zug bei laufendem Motor so groß, dass das erforderliche Ablegen des Joy-Cons bei jedem Spielbeginn und auch nach dem Wiedereinstieg ins Spiel nie erfolgreich verläuft. Das macht das Spiel unspielbar und wenn ihr bedenkt, dass Nintendo Switch eine Mobilkonsole ist, ist das umso ärgerlicher. Offensichtlich wurde das bei der Portierung komplett übersehen. Andererseits hat die Switch-Version erstmals 2-Spieler-Support, denn der linke Joy-Con kann nach gleichem Schema für einen zweiten Spieler genutzt werden. Ein wirklicher Mehrwert ergibt sich dadurch aber nicht, frei nach dem Motto: immerhin habt ihr die Möglichkeit und es funktioniert ordentlich.

Little Inferno Multiplayer - Nintendo Switch

Der Soundtrack des Spiels ist direkt im Hauptmenü zum Anhören verfügbar. Die Musik ist durchwegs passend und von den Entwicklern gewohnt langsam melancholisch gewählt. Die Soundeffekte, allen voran das echt wirkende Prasseln des Feuers, unterstreichen die Soundkulisse. Gleichzeitig ist die Optik fast schon niedlich, was zum besonderen Stil des ganzen Spiels passt. Bei den Katalogen herrscht im Gegensatz zum Rest des Spiels eine äußerst heitere Musik, was den Kaufanreiz dort verstärken soll und den Ironie- und Humor-Faktor weiter hoch schraubt.

Fazit

Das Kombinieren von Gegenständen erinnert grundsätzlich an das Spielprinzip von Alchemie. Oft gibt das genaue Lesen der Gegenstandstitel und -beschreibungen sowie der Name der zu findenden Kombinationen Aufschluss über die richtige Zusammenstellung. Dabei sind zahlreiche Anspielungen auf andere bzw. eigene Videospiele der Tomorrow Corporation vorhanden, wie World of Goo, Game&Watch, Duck Hunt, Tetris oder selbst das erste Zelda - einem Wellpappe-Schwert mit der Beschreibung take this! sei Dank. Nach vier Stunden habt ihr alles gesehen, danach geht es nur noch um das Finden der restlichen Kombinationen. Das Ende des Spiels ist dabei geschichtsträchtig gehalten und spielt sich gänzlich eigenständig. Ihr entfernt euch von eurer liebgewonnenen Feuerstelle und geht sogar aus dem Haus. Mehr wird jedoch nicht verraten, erwartet aber nichts allzu Großes - auch nicht bei dem Freischalten aller 99 Kombinationen. Mittendrin verfliegt der Reiz des Spiels schnell bei der Fülle an Kombinationsmöglichkeiten und manchen Kombinationen, die etwas weiter hergeholt sind wie die Kombi mit dem Namen Gelber Ziegelsteinweg. Dennoch stimmt das andersartige Spielkonzept und weiß in diesem kurzweiligen Spiel auf gutem bis hohem Niveau zu unterhalten.

Bewertung

7.5
Gesamt
7.5
Mehrspieler

Gut


Kurzfazit

„Spaßiges Kombinieren und Verbrennen - besonders mit Objekten, die nicht unbedingt dafür geeignet sind!“

Tobias Maul

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