Test: 1-2-Switch (Switch)


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Zu den ersten exklusiv für die Nintendo Switch entwickelten Spiele gehört die Minispiel-Sammlung 1-2 Switch. Wir haben das Spiel für euch getestet und verraten euch, ob wir es hier mit dem ersten Mehrspieler-Highlight im Line Up der Konsole zu tun haben.

Zum Start einer jeden neuen Konsole sollte es immer Titel geben, welche die wichtigsten Merkmale des Systems in den Vordergrund stellen und jedem potenziellen Käufer vermitteln, warum man sich gerade für dieses System entscheiden sollte. Das ist gerade im Falle Nintendos seit der Wii extrem wichtig geworden, da man sich aufgrund innovativer Steuerungskonzepte deutlich von der Konkurrenz abhebt. Passend zum Konzept der Switch mit den zwei abnehmbaren Joy-Con Controllern hat das japanische Unternehmen daher den Titel 1-2 Switch entwickelt, der genau deren Verwendung auf die verschiedenste Art in unterhaltsamen Minispielen präsentieren soll.

Nach Wii Sports und Nintendo Land haben wir es also hier mit der dritten Spielesammlung seitens Nintendo zu tun, die das Steuerungskonzept der neuen Konsole spielerisch vermitteln soll. Erstmals liegt diese aber nicht der Konsole selbst bei, sondern muss separat erworben werden. Ob sich Nintendo damit einen Gefallen tut, sei mal dahin gestellt. Waren anfangs preislich gesehen für 1-2 Switch noch rund 50 € angesetzt, purzelte der Preis kurz vor dem Launch auf immerhin noch 35 €. Geboten werden einem dafür 28 Minispiele, die teils witzig, teils kurios, teils aber auch ziemlich schlecht geworden sind. Aber immer der Reihe nach. Generell werden die Spiele zu Beginn immer in einer Art buntem Video mit realen Schauspielern erklärt, was optisch recht stilvoll geworden ist, auf Dauer aber ermüdend wirkt und später zum Glück übersprungen werden kann. Das Grundprinzip von 1-2 Switch ist darauf ausgelegt, dass man sich als Spieler in die Augen schaut und nicht den Bildschirm in erster Linie im Auge hat. Das merkt man vielen Spielen an, die wirklich im Prinzip nur durch den Ton und die Bewegung der Joy-Con Controller funktionieren. Gerade dadurch mag das eine oder andere Minispiel auch für sehbehinderte Spieler in Frage kommen, was man nicht außer Acht lassen darf.

1-2-Switch, Nintendo Switch

In erster Linie sieht sich 1-2 Switch aber als Partyspiel für Runden ab zwei Spielern aufwärts, denn für Einzelspieler ist kaum eines der Minigames ausgelegt. Mit mehreren dagegen könnt ihr die Minigames nach ein paar Runden komplett einzeln anwählen oder das Team-Duell starten. Hier wird wie in einem Brettspiel reihum gewürfelt und die Spiele absolviert, auf deren Felder ihr kommt. Wer zuerst ins Ziel kommt gewinnt, wobei sich verändernde Felder wie Totenköpfe statt einer 6 auf dem Würfel das Spielgeschehen beeinflussen und so dafür sorgen, dass jemand nicht zu weit abgeschlagen ist, bzw. kurz vor dem Ziel noch etwas ausgebremst wird. Aber nun zu den insgesamt 28 Minispielen selbst:

Spaß mit Vibrationen

Widmen wir uns dabei zuerst den Minispielen, die wirklich gelungen sind:

Beim Kugelschätzen stellt euer Joy-Con eine Holzkiste dar, die Murrmeln beinhaltet. Ihr müsst durch sanftes Kippen und Neigen erraten, wie viele Kugeln sich in der Box befinden. Hier kann das neue HD-Rumble seine Muskeln spielen lassen, indem die Bewegungen und das aneinander klacken der Murmeln in der Box wirklich sensationell gut im Controller umgesetzt und entsprechend simuliert wird. Ihr stellt die erratene Anzahl ein und wartet dann ab. Schade ist hier nur, dass beide Spieler immer gleich viele Murmeln erfühlen müssen und sich so aneinander orientieren können, da man immer sieht, was der andere Spieler eingegeben hat. Abgesehen davon ist das Konzept hier aber echt gelungen und demonstriert super den HD-Rumble Effekt.

Witzig ist auch die Schatzkiste geworden. Hier ist eine Kiste mit Ketten umwickelt und ihr müsst euren Joy-Con drehen, um genau diese Ketten zu lösen. Euch wird dabei angezeigt, welche Seite der Kette als nächstes gelöst werden muss. Die Joy-Cons reagieren auch hier super auf eure Bewegungen und beweisen, dass die Bewegungssteuerung der Switch super funktioniert.

1-2-Switch, Nintendo Switch

Beim Safeknacker müsst ihr das Zahlenrad an einem Safe drehen und fühlen, wann das Rad einrastet, weil ihr die richtige Zahl gefunden habt. Das Zeitlimit von 2 Minuten setzt euch zwar unter Druck, mit etwas gefühlt bekommt ihr das aber recht gut hin und könnt so den Safe hoffentlich schneller öffnen als euer Konkurrent.

Witzig zu zweit ist auch das Spiel Würfelglück geworden. Hier würfelt ihr virtuell mit eurem Joy-Con und bekommt per Vibration angezeigt, wie viele Augen euer Gegenspieler gewürfelt hat. Eure eigene Punktezahl wisst ihr nicht. Auch wird euch ein Pasch beispielsweise nicht angezeigt, sondern nur die gewürfelte Augenzahl. Ihr müsst jetzt also überlegen, ob ihr euren Gegenspieler davon überzeugen wollt erneut zu würfeln oder die Würfel stehen zu lassen. Maximal dreimal darf jeder würfeln, dann wird aufgedeckt und der Spieler mit der höheren Punktzahl gewinnt.

Die Korkenknallerei lässt euch den Joy-Con wie eine Flasche schütteln, in der daraufhin die Kohlensäure nur so sprudelt. Ihr reicht die Flasche an den nächsten Spieler weiter, der wiederum schüttelt und die Flasche weitergibt. Der Controller vibriert dabei stets stärker. Bei wem der Korken knallt, der hat das Spiel verloren.

Als Revolverheld müsst ihr schneller als euer Mitspieler den Joy-Con ziehen und abfeuern. Das Spiel gibt es in zwei Varianten, denn einmal schießt ihr sofort auf Kommando los, einmal gibt euch der Sprecher auch andere Begriff neben "Feuer", so dass ihr gut zuhören müsst und nicht zu früh schießen dürft. In der Gruppe ist das Spiel recht nett, weil ihr hier eure Reaktionen testen könnt.

Das letzte recht witzige Spiel ist Mächtige Magier. Hier müsst ihr zuerst euren Zauberstab aufladen, indem ihr den Joy-Con kreisförmig über euren Kopf schwingt. Dann stoßt ihr den geladenen Stab in Richtung Gegner, indem ihr den Arm nach vorne streckt. Ihr merkt hier dann das Vibrieren eures Joy-Cons und versucht durch kleine Stöße eure Zauberkraft noch zu verstärken.

Sammelsurium der Skurrilitäten 

Doch 1-2 Switch hat auch ein paar recht absurde Spiele zu bieten. Wettmelken ist eines davon, wo ihr die Joy-Con Controller zum virtuelle Kühemelken verwendet und diese von oben nach unten bewegt, während ihr die R- und L-Tasten kurz nach einander drückt. Die Steuerung reagiert erstaunlich gut und zumindest auf einer Party macht das Game kurzzeitig Laune. Bei der Blindrasur rasiert ihr euch mit dem Joy Con am Gesicht. Hier funktioniert die Erkennung leider nicht immer präzise und es bleiben oft noch ein paar Stoppeln stehen, was ärgerlich ist. Tischtennis könnt ihr auch spielen, allerdings nur nach Gehör, was es etwas schwieriger macht. Die Schläge werden per HD-Rumble auf den Controller übertragen. Insgesamt ist das ohne Spielgeschehen auf dem Bildschirm etwas gewöhnungsbedürftig.

1-2-Switch, Nintendo Switch

Sehr skurril ist auch Schlaf, mein Baby. Hier wird im Handheldmodus mit angedockten Controllern gespielt. Die Switch ist dabei ein Baby, das ihr durch wiegende Bewegungen in den Schlag versetzen und es dann vorsichtig ablegen müsst, damit es nicht wieder aufwacht. Es ist etwas befremdlich eine Konsole wie ein Kind im Arm zu wiegen, aber immerhin funktioniert die Steuerung in diesem auf Einzelspieler ausgelegten Titel recht präzise. Die Kamera am rechten Joy-Con wird für das Wettessen benutzt. Haltet den Controller in kurzem Abstand vor euren Mund und verputzt dann mit schnellen Mundbewegungen so viele virtuelle Sandwiches wie nötig. Eine kurze Spielerei, die zumindest von der Steuerung her sauber funktioniert und wo die Mundbewegungen gut erkannt werden.

Und noch ein Haufen an Belanglosigkeiten

Der Rest der Minispiele ist dagegen entweder belanglos, schlecht oder einfach nur öde geworden. Bei Am Apparat! müsst ihr auf das Klingeln reagieren und möglichst schnell an den Joy-Con gehen. Zen gibt euch Meditationsposen vor, in denen ihr euch nicht bewegen dürft. Wer zu viel zittert und wackelt, hat verloren. Samurai-Training lässt einen Spieler wie mit einem Samurai angreifen, während der andere den Schlag virtuell abfangen muss. Das klappt gefühlt nicht immer so, wie es sein sollte. Bei der Fahnenfolge müsst ihr ein Schiff sicher ans Ziel lotsen, indem ihr die Joy-Con in die vorgegebenen Richtungen bewegt. Das klappt zwar von der Steuerung her gut, der Spielspaß hält sich jedoch in Grenzen.

Bei Joy-Con Umdrehungen müsst ihr - wie es der Name schon sagt - die Controller möglichst weit drehen, ohne diese dabei abzusetzen oder zu stark zu wackeln. Mehr nach drei Runden am weitesten gedreht hat, gewinnt. Baseball wird ähnlich wie Tischtennis nur nach Gehör und Gefühl im Controller gespielt, kann aber auf Dauer nicht gefallen. Bei Fahnenspurt müsst ihr Laufbewegungen simulieren, auf die euer Joy-Con mit einem Vibrieren reagiert. Der Schwertkampf lässt euch virtuell mit der Klinge angreifen, aber auch per Knopfdruck zu einem Schild wechseln, mit dem ihr blocken könnt. Die Bewegungen werden zwar gut erkannt, die Koordination fällt allerdings oft nicht leicht.

Wer bei Box-Champion an ein verbessertes Boxen von Wii Sports denkt, wird leider enttäuscht. Hier müsst ihr vorgegebene Box-Bewegungen nachahmen, die zwar gut erkannt werden, wodurch sich die Herausforderung aber in Grenzen hält. Bei der Tellerjonglage sollt ihr eure virtuellen Teller in Bewegung halten, euch dabei aber aus der Fassung bringen, indem ihr eure Mitspieler auch körperlich ärgern könnt. Bei Tanz mir nach! denkt ihr euch abwechselnd Tanzposen aus, die euer Mitspieler dann nachahmen soll. Ob er das wirklich macht oder nur den Joy-Con ähnlich wie ihr haltet, kann das Spiel dabei natürlich nicht beurteilen, was es recht sinnfrei werden lässt.

Als Topmodel sollt ihr euch wie auf einem Laufsteg bewegen. Auch hier hält sich der Spielspaß stark in Grenzen. Ebenso sinnbefreit ist das Spielen auf der virtuellen Luftgitarre. Da weder ein Rhythmus noch etwas anderes vorgegeben wird, erahnt ihr die zum Sieg führenden Bewegungen eigentlich nur und schüttelt die Joy-Con nach Gutdünken. Mit genug Alkohol im Blut mag man daran Gefallen finden, ansonsten eher nicht. Bei Tanzfieber müsst ihr erst tanzen und auf Befehl komplett still halten. Hier werden kleine Bewegungen zwar gut erkannt, der Spielspaß ist trotzdem nicht gerade groß. Abgeschlossen werden die Minispiele mit Gorilla, bei dem ihr euch wie ein wild gewordener Affe auf die Brust trommeln sollt.

1-2-Switch, Nintendo Switch

Fazit von Markus

1-2 Switch zu bewerten ist in der Tat kein leichtes Unterfangen. Ein paar der Spiele sind wirklich spaßig geworden und zeigen eindrucksvoll, was HD-Rumble kann und wie gut die Bewegungssteuerung funktionieren kann. Auch technisch wird das Spiel sauber und wie aus einem Guss präsentiert. Dazu gesellen sich aber ein paar sehr skurrile Spiele, die man zwar mal ausprobiert, die aber nicht der Knaller sind. Und wir haben etliche Gurken mit von der Partie, die einfach nicht wirklich Spaß machen. Alleine ist der Reiz nach wenigen Minuten komplett verflogen, was aber auch nicht der Sinn des Titels ist. Mit mehreren Spielern sind zumindest ein paar der Spiele unterhaltsam, auch wenn sie recht kurz sind und sich der Wiederspielwert bei vielen Minigames in Grenzen hält.

Fazit von Sebastian

Tipp zu den Joy-Con-Handgelenkschlaufen:
In 1-2-Switch ist es mehrmals notwendig, die Handgelenkschlaufen an- und abzulegen. Um die Schlaufen von den Joy-Con zu lösen, ist es lediglich nötig, die grauen Lock-Schalter an den Schlaufen zu lösen und die Schlaufen anschließend nach oben abzuziehen. Die Release-Knöpfe an den Controllern müssen nicht gedrückt werden.

1-2-Switch ist leider nicht so gut, wie es eigentlich sein könnte. Nur wenige der insgesamt 28 Minispiele machen auf Dauer Spaß und auch diese Spiele sind meistens sehr kurz und erinnern teils eher an Microspiele. Dennoch bietet 1-2-Switch gute Einblicke in Möglichkeiten der Switch-Hardware und macht Lust auf neue Minispiele in einem Mario Party oder gelungene HD-Vibration Integrationen in großen Titeln. Hervorzuheben ist die moderne Präsentation des Spiels, die es bei Nintendo so noch bei keiner Minispielsammlung gab. Insgesamt ist das aber zu wenig, um den Titel zum Vollpreis zu empfehlen. 1-2-Switch ist ein Restposten-Kandidat, der mit mehreren Spielern durchaus Spaß machen kann.

Fazit von Tobias

Die Hoffnung stirbt zuletzt und leider starb sie doch schneller als gedacht. Stimmung kommt mit 1-2-Switch schon auf, keine Frage. Vor allem wenn ihr einfach schnell die Konsole einpackt und zu Kumpels fahrt. Dann könnt ihr mit dem Spiel immerhin kurzweilig punkten. Doch apropos Punkt: mein größter Kritikpunkt ist das fehlende Feedback. Beim virtuellen Rasieren ist es mir beispielsweise passiert, dass ich plötzlich den Kopf statt Bart rasiert habe. Schwertkampf war ebenfalls einfach nur zu ungenau, um daraus zu lernen. Und am meisten enttäuscht mich Tischtennis. Hier muss ich doch auf jeden Fall den Ball auf dem Bildschirm sehen können, was soll das denn? Die absolut nervigen Kommentare dazwischen waren dann der Tiefpunkt. Immerhin stimmt die Präsentation insgesamt doch irgendwie. Hier haben wir es leider mit einem klassischen Blender-Spiel zu tun, schade. Wii Play zum Start der Wii war deutlich besser.

Bewertung

5.0
Gesamt
6.5
Mehrspieler

Geht so


Kurzfazit

„Minispielsammlung ohne hohen Wiederspielwert und vielen Skurrilitäten.“

Markus Schnittka

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