Test: Miitopia (3DS)


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In Tomodachi Life durftet ihr bereits verschiedene Szenarien mit euren Miis erleben und euch daran erfreuen, wie sich die Beziehungen zwischen ihnen entwickeln. Mit Miitopia möchte Nintendo seine Maskottchen nun auf eine abenteuerliche Reise schicken. Wie gut euch diese unterhalten kann und ob sich hier ein weiterer Hit-Kandidat in die schier unendliche Reihe der RPG-Perlen für den Nintendo 3DS reiht, verraten wir euch in unserem Test zu Miitopia.

Auch wenn in den Herzen vieler Spieler die Nintendo Switch momentan im Mittelpunkt des Interesses steht, so versorgt Nintendo auch den kleinen mobilen Bruder, den Nintendo 3DS (bzw. 2DS) regelmäßig mit neuem Futter. Dazu gehört auch Mittopia, welches die namensgebenden Mii-Charaktere in den Fokus rückt. Ein Bösewicht bedroht nämlich den Frieden in Miitopia, indem er die Gesichter der Miis stiehlt. Natürlich ist es fortan eure Aufgabe, den Obermotz zur Strecke zu bringen, die geraubten Gesichter wiederzuerlangen, garstige Monster zu bezwingen und dabei allerhand Abenteuer zu erleben. Was auf den ersten Blick nach einem reinrassigen Rollenspiel klingt, entpuppt sich in der Praxis eher als Beziehungs-Simulation mit einer Mischung aus Slapstick-Elementen und seichter RPG-Thematik, bei der euch das Spiel viele Entscheidungen abnimmt und euch eher zum Zuschauer verdammt. Aber immer der Reihe nach.

Denn ihr startet das Spiel, indem ihr die verschiedenen Rollen mit frei wählbaren Miis besetzt. Der Held? Na klar, das seid ihr selbst. Der Bösewicht? Hmm, da hatten wir doch kürzlich erst ein tolles Batman-Mii über Street Pass getroffen, oder? Genau, zack - Batman ist jetzt zur Abwechslung mal der Fiesling. Und der Rest eurer Truppe? Na, da eigenen sich eure bessere Hälfte, die Eltern, Geschwister, Freunde - einfach jeder, den ihr euch als Mii vorstellen könnt. Eure Entscheidung ist dabei nicht in Stein gemeißelt, denn habt ihr eine Rolle doch mal falsch besetzt, könnt ihr dies im Laufe eures Abenteuers jederzeit noch ändern. Witzig an Miitopia sind nämlich die Beziehungen der einzelnen Charaktere zueinander, die sich im Laufe des Spiels natürlich entsprechend entwickeln. Miitopia setzt dabei durchaus auf komische Momente mit Slapstick-Einlagen, wenn beispielsweise einer eurer Mitstreiter in eine Fallgrube tapst und der Rest unbeirrt weiter läuft oder wenn ein Mii nach einem Streit seinem Kollegen mitten im Kampf kurz vor der Attacke ein Bein stellt.

Sandfuß-Reggie

Diese Freiheit ist der Hauptaspekt, warum Miitopia euch zumindest in den ersten Stunden an den 3DS fesselt und euch dabei einige Male zum Schmunzeln oder Lachen bringen wird. Denn je nachdem wie gut ihr euer Abenteuer besetzt, passen die Dialoge teils wie die Faust aufs Auge. Und wenn es mal nicht passt, dann fällt das auch nicht unbedingt negativ auf. Wie spielt sich aber nun Miitopia? Nun, hierzu sei gesagt, dass ihr eine große Zeit des Abenteuers mit gedrückten B-Button verbringen werdet, da dieser die Aktionen beschleunigt. Habt ihr auf der Karte nämlich euren Zielpunkt gewählt, watschelt eure Truppe erst einmal ungeachtet automatisch von links nach rechts zu diesem Ziel. Auf dem Weg dahin kommt es mal zu einer Slapstick-Einlage, mal darf eine Truhe geöffnet oder ein Schalter betätigt werden. Oder ihr werdet in einen Kampf verwickelt. Doch auch das ist nur bedingt spannend, denn ihr bestimmt lediglich die Attacken eures eigenen Miis. Der Rest eurer Truppe agiert automatisch und dabei nicht immer unbedingt sinnvoll. Wenn kurz vor dem Sieg noch spezielle Items eingesetzt werden, die ihr euch eigentlich aufheben wollt, könnt ihr euch darüber schon mal ärgern. Meist machen eure Miis aber kurz darauf wieder eine andere dämliche Aktion, so dass der Ärger hier schnell verflogen ist. Miitopia ist ohnehin nicht sonderlich anspruchsvoll und will euch keineswegs mit zu schweren Kämpfen gängeln.

Im Kampf selbst dürft ihr lediglich noch sogenannte Streuer betätigen, um eure Magie oder Kraft zum Teil wieder zu füllen oder angeschlagene Kollegen in die Ruhezone schicken. Was wie ein taktisch sinnvolles Feature klingt, entpuppt sich in der Praxis aber nur bedingt als Hilfe, da für echten taktischen Tiefgang die komplette Kontrolle über eure Party wichtig gewesen wäre. Am Ende eines Weges kommt ihr jeweils in ein Gasthaus, wo es wieder mehr Richtung Life-Sim geht. Hier legt ihr nämlich fest, wer mit wem in einem Zimmer übernachtet und wessen Beziehungen zueinander sich somit in der Regel verbessern. Dies wirkt sich auch im Kampf aus, da sich die Miis somit gegenseitig unterstützen, feindliche Attacken rächen oder sich eben auch mal necken oder ärgern. Witzig anzusehen ist es dabei, wie sich die Miis entsprechend ihrer ihnen zugeteilten Wesenszüge verhalten. Ängstliche Miis verstecken sich dabei im Kampf mal eben hinter ihren Kollegen, während gütige Miis die Monster auch mal entkommen lassen. Ebenso eigenwillig sind eure Miis auch, wenn es um neue Ausrüstung geht. Sie melden sich bei euch, wenn sie Kohle benötigen, doch nicht immer kaufen sie dann auch den gewünschten Gegenstand, sondern kommen mitunter auch mit anderen Gegenständen wieder nach Hause. Minispiele wie Roulette oder Glückslose sind ebenfalls Tätigkeiten, mit denen sich eure Miis in der Gaststätte ihre Zeit vertreiben.

Aonuma-san bereitet sich geistig auf das nächste Zelda-Projekt vor.

Hatten wir eigentlich schon von den verschiedenen Kämpferklassen gesprochen? Neben Kriegern, Magiern und Heilern dürft ihr auch mit Pflanzen, Katzen und Popstars antreten. Teils werden diese Klassen erst später zugängig, so dass eine gewisse Motivation bleibt um zu sehen, was sich die Entwickler noch haben alles einfallen lassen. Dies und der immer wieder auftauchende Humor sind allerdings die wenigen Punkte, die einen wirklich bei der Stange halten. In technischer Hinsicht sind vor allem die Genger recht kreativ und unterhaltsam geworden, weil jeder ein Element aus den Mii-Gesichtern hat. Ansonsten hat man eher den Eindruck, als hätte man vor allem die Hintergründe bereits zur Genüge gesehen. Die Grafik ist ordentlich, haut einen aber nicht vom Hocker. Das gilt auch für den Sound, der eher unauffällig im Hintergrund das Geschehen untermalt. Die recht simpel gehaltene Steuerung erfüllt ihren Zweck, nur der B-Button wird im Laufe des Abenteuers etwas zu oft Verwendung finden. Hier wäre mehr spielerische Interaktion definitiv wünschenswert gewesen.

Fazit

Miitopia verbindet die geniale Grundidee der eigenen Besetzung aller Charaktere mit euren Miis mit einem sehr simplen Rollenspiel mit viel zu wenig Interaktionsmöglichkeiten. Die Geschichte kann vernachlässigt werden, die Technik ist eher Mittel zum Zweck und oft seid ihr eher Beobachter, als tatsächlicher Spieler des Geschehens. Irgendwie schafft es das Spiel aber trotzdem zumindest zu einem gewissen Grad zu gefallen. Wer sich damit zufrieden gibt, dass er keinen spielerischen Tiefgang geboten bekommt, darf durchaus einen Blick riskieren.

Bewertung

7.0
Gesamt
-
Mehrspieler

Gelungen


Kurzfazit

„Mii-Charaktere als Helden in einem seichten "RPG-light" mit Slapstick-Einlagen“

Markus Schnittka

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